| Pferdewesen in Stadl Paura - ein historischer Rückblick
Rund zwei Kilometer von Lambach entfernt, liegt die Gebäudegruppe der ehemaligen Bundesanstalt für Pferdezucht Stadl-Paura -das nunmehrige Pferdezentrum Stadl Paura, dessen wechselvolle Geschichte rund 200 Jahre zurückreicht.
| | | |
 | | Die ersten Anfänge der staatlich organisierten Pferdezucht reichen in die Zeit Maria Theresias zurück. Der Siebenjährige Krieg ( l 756- 1763) gegen Preußen verlief fur die österreichische Kavallerie äußerst verlustreich und die Kaiserin erließ in der Folge eigene Gesetze zur Förderung der Pferdezucht. Als Ausgangspunkt für die staatliche Förderung der österreichischen Zucht gilt der Erlaß von Kaiserin Maria Theresia vom 13. Oktober l 763, der die Herausgabe wertvoller Zuchtstuten u. -hengste aus der kaiserlichen Fuhrdivision an Gutsbesitzer und bemittelte Landleute regelt. Ihr Sohn Josef II trieb diese Vorhaben energisch voran und es wurden zahlreiche Gestüte gegründet. Weiters wurden in den einzelnen Ländern eine große Zahl von Beschälposten errichtet, unter anderem im Schloß Lichtenegg bei Wels.
Ziel dieser Maßnahmen war die Verbesserung der Qualität und der Quantität der Pferdezucht, hauptsächlich für militärische Zwecke. Dementsprechend stand auch die Pferdezucht unter militärischer Oberaufsicht. | |
 | | Die ältesten Gebäude im Kern der Anlage wurden 1807 allerdings für friedliche Zwecke errichtet, nämlich fur die Salzschiffahrt entlang der Traun. Es waren dies die ehemaligen Stallungen der k.k.- Traunzugsregie mit dem zugehörigen Verwaltungs,- Mayr,- und Schmiedhaus. Diese Stallungen dienten zur Unterbringung der Zugpferde, die am Ufer des Flusses entlang die leeren Salzfrachtschiffe flußaufwärts zogen. | |
 | | Als 1824 der Salzhandel privatisiert wurde, gab die monarchistische Verwaltung den Zillengegentrieb auf und die Stallungen standen leer. Ungefähr zur selben Zeit war im 'Hengstenposten' Wels im Schloß Lichtenegg die Obergrenze der Kapazitätsauslastung erreicht. Und so wurden 1826 die Beschäler nach Stadl Paura in die nicht mehr benötigten Stallungen der Salzregie verlegt. | |
| | Als offizielles Gründungsdatum des Hengstdepots in Stadl Paura gilt der 17. September 1826, wobei der Vollbetrieb erst im Jahre 1827 aufgenommen wurde. Nach der Übernahme des damaligen 'Beschäl- und Remontierde- partment' erweiterte sich die Anstalt allmählich zum k.k. -Hengstdepot. | |
| | Um 1850 erzielte man in der Zucht mit der Einstellung von Pinzgauer und Burgunder Hengsten erfreuliche Ergebnisse. Die Verwendung von Kaltbluthengsten war eine Neuerung, denn bislang waren nur Halbbluthengste, also Warmbluthengste leichten und schweren Schlages im Einsatz gewesen. 1855 hatte die Pferdezucht in Ober- und Niederösterreich einen qualitativ so hohen Stand erreicht, dass Händler aus allen Himmelsrichtungen anreisten und hohe Preise für Zucht- und Luxuspferde zahlten. So belief sich 1857 der Hengstbestand auf l72 Hengste in Stadl Paura. | |
| | Bedingt durch die Wirren des Jahres 1866 wurde am 14. März 1866 die Leitung der Gestütsverwaltung dem Reichskriegsministerium entzogen und an das Ackerbauministerium weitergegeben. Da nunmehr an die 200 Hengste aufgestallt waren, wurde Stadl Paura 1869 zum selbständigen 'Staats-Hengstendepot' befördert, das für die Provinzen Ober- und Niederösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg zuständig war. Der Personalstand wuchs daraufhin auf 192 Bedienstete. | |
 | | Südlich der Stallungen wurde 1880 von Oberstleutnant W. E. v. Decken eine 'gedeckte Reitschule' -ein eingeschossiger Bau mit Satteldach -errichtet.
| |
 | | Das sogenannte 'Offiziersstöckl' -die heutige Direktion -wurde in den Jahren 1897/98 als ein zweigeschossiges, villenartiges Gebäude unter dem Kommando von k.k. -Major Ludwig Graf Huyn errichtet. Der Bau wurde unter der Leitung von k.k. -Hauptmann Rchfr. Leopold Ehrmann durchgeführt. Heute befindet sich die Verwaltung des Pferdezentrums in diesem repräsentativen Bau. | |
| | Bis zum I. Weltkrieg galt das besondere Interesse 'des k.k. Hengstdepot' in Stadl Paura der Noriker-, Haflinger-, Warmblut- und der Vollblutzucht Mit dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 wurde das k.k. -Hengstdepot als 'Bundeshengstenstallamt Stadl Paura' dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft unterstellt. In den folgenden Jahrzehnten diente Stadl Paura der Zucht des norischen Kaltblutpferdes, des schweren Warmblutpferdes, vornehmlich auf Oldenburger Grundlage und des Haflingers. | |
| | Durch den Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich im Jahre 1938 wurde das Bundeshengstenstallamt als 'Landgestüt' dem Reichsministerium für Landwirtschaft direkt in Berlin unterstellt. Der Bestand an staatlichen Zuchthengsten, der sich zum Teil in Privatpflege befand, zählte 1939 etwa 560 Beschäler. In den folgenden Jahren kamen zahlreiche Hengste aus Norddeutschland und Bayern hinzu, die meistens der Oldenburgerrasse angehörten. Die Gestütsdienste wurden bis zum Kriegsende von 135 Gestütsangestellten wahrgenommen. | |
 | | Ein massiver Schrumpfungsprozeß in der Pferdezucht nach 1950 brachte erhebliche Einschnitte beim Personal- u. Hengstbestand in Stadl Paura. Im Jahre 1950 wird noch die 'Schmiede' erbaut. Ihre Einrichtung stellt allerdings den letzten baulichen Eingriff in die Anlage bis 1999 dar. | |
| | Der Beginn der Siebzigerjahre markiert wiederum eine Trendwende bei den Pferdebestandszahlen in Österreich. Ebenso wie in Deutschland entwickelte sich auch hierzulande die Tendenz hin zum Sport- und Freizeitpferd. Die einheitliche Zucht eines dafür geeigneten Reitpferdes war aber nicht vorhanden, denn die alten Zuchtstämme der einstmals so berühmten Halbblutpferde der Donaumonarchie waren, falls sie überhaupt noch existierten, in alle Winde zerstreut. Eine der Aufgaben Stadl Pauras war es, die altösterreichischen Stämme Furiaso, Nonius, Przedswit, Gidran und Shagya zu erfassen und neuerlich der Zucht zuzuführen. Gleichzeitig wurden aber auch qualitätsvolle Warmbluthengste in der BRD angekauft. | |
 | | Im Jahre 1997 wurde die Bundesanstalt für Pferdezucht schließlich aus gegliedert und an das Land Oberösterreich (51 %) sowie an den Landesverband der Pferdezüchter Oberösterreichs verkauft (49%). Am l. Januar 1998 erfolgte dann die Übergabe des Hengstdepots an die neuen Besitzer. | |
 | | Am 31. März 1998 wurde die 'Pferdezentrum Stadl Paura Gesellschaft mbH' mit den einzelnen Landeszuchtverbänden als Gesellschafter gegründet. Im November erfolgte dann der Spatenstich zum Bau der neuen großen Reit- und Veranstaltungshalle in Stadl Paura.
Die künftigen Aufgaben des neu gegründeten Pferdezentrums Stadl Paura umfassen neben der Leistungsprüfung für Stuten und Hengste aller in Österreich gezogener Rassen, auch die Aus- und Weiterbildung von Pferd und Reiter. Das Pferdezentrum Stadl Paura versteht sich somit als Veranstaltungs-, Kultur- und Servicezentrum, und - eingebunden in regionale Strukturen - national und international tätig zu werden.
| |
 | | Die feierliche Eröffung der Reit- und Veranstaltungshalle, die seither für viele Großveranstaltungen genutzt wird. Neben 1000 Sitzplätzen bietet die Gallerie und das Obergeschoß Platz für weitere 1300 Besucher.
Die Veranstaltungshalle wurde im Andenken an den ersten Direktor des Pferdezentrums Ing. Karl Bauer Halle benannt. | |
 | | Unter Beteiligung von 16 Nationen fanden im August 2001 die Weltmeisterschaften der Isländer in Stadl Paura statt.
Mit 25.000 Zuschauern wurde die Veranstaltung die bislang best besuchteste Veranstaltung des Pferdezentrums. | |
 | | Im September 2003 wurde Stadl Paura zum Zentrum des Haflinger-Pferdesports. Im Rahmen des Haflinger-Europachampionates wurde Reit- und Fahrsport auf höchstem Niveau mit dieser heimischen Pferderasse geboten. Erstmalig wurden im Rahmen dieses Turnieres auch Galopp- und Trabrennen veranstaltet. | |
|
| |
|